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Managersichten SJB Klassik, SJB Stars: Fidelity Worldwide Investment: Hintergründe zur Volatilität in China

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Matthew Sutherland, Leiter Produktmanagement Asien bei Fidelity.

SJB | Korschenbroich, 15.01.2016. Die asiatischen Märkte starteten mit heftigen Kurseinbrüchen ins neue Jahr. Zwei Mal innerhalb der ersten Januarwoche wurde der Handel an den  chinesischen Börsen gestoppt. Erinnerungen an die Turbulenzen im vergangenen Sommer kamen hoch. Matthew Sutherland, Leiter Produktmanagement Asien bei Fidelity, analysiert die Faktoren, die diese Schwankungen ausgelöst haben und wie wahrscheinlich eine Ansteckung der übrigen Märkte ist.

DIE BLASE BEI CHINESISCHEN A-AKTIEN VERLIERT WEITER LUFT

Die jüngsten Schwankungen an den chinesischen A-Aktienmärkten in Shanghai und Shenzhen scheinen die globalen Aktienmärkte anzustecken – obwohl dieser Effekt eigentlich unbegründet ist. Denn der A-Aktienmarkt ist im Wesentlichen ein chinesischer Inlandsmarkt, an dem vor allem die Stimmung unter den Privatanlegern und weniger wirtschaftliche Fundamentaldaten die Richtung vorgeben. Am chinesischen A-Aktienmarkt hat sich im ersten Halbjahr 2015 eine Blase gebildet, die vor allem durch die Erwartung auf Kapitalzuflüsse internationaler Anleger im Rahmen des Stock-Connect-Programms zwischen Hongkong und Shanghai entstand. Wie Abbildung 1 zeigt, ist letztes Jahr nur ein Teil der Luft aus dieser Blase entwichen.

Die Maßnahmen der Regierung zur Kontrolle des Kursverfalls am Markt haben verhindert, dass die Luft komplett entweichen konnte. Hierzu zählten unter anderem die direkten Interventionen durch das „National Team“, einem Zusammenschluss von staatlichen Institutionen. Der CSI 300 Index (der Hauptindex für A-Aktien in China) ist zwischen August und Dezember sprunghaft um knapp 30% gestiegen. Die beabsichtigte Abschaffung einer der Stabilisierungsmaßnahmen, nämlich dem Verbot von Aktienverkäufen für Großanleger, und die massiven Gewinnmitnahmen nach dem 30%-igen Kurssprung lösten daraufhin den aktuellen Ausverkauf aus. Am 07. Januar 2016 wurde das Verbot von Aktienverkäufen für Großanleger teilweise gelockert. Sie dürfen nun alle drei Monate bis zu 1% ihres Bestands verkaufen. Ende des Jahres wurde die Regel eingeführt, den Aktienhandel für 15 Minuten auszusetzen, wenn der CSI 300 Index an einem Tag um mehr als 5% steigt oder fällt.

Wenn der Markt danach um weitere 2% fällt (d. h. ein Kursverlust von insgesamt 7% an einem Tag), wird der Handel für einen ganzen Tag ausgesetzt. Ironischerweise hatte diese Maßnahme alles andere als einen beruhigenden Effekt. Am vergangenen Donnerstag (07. Januar 2016) wurden bereits 15 Minuten nach Handelsbeginn die Obergrenzen für die Aussetzung des Handels erreicht. In der Regel versuchen Anleger bei fallenden Märkten, ihre Positionen schnell zu verkaufen, weil sie Angst haben, dass der Markt bald für den ganzen Tag geschlossen wird und nicht mehr gehandelt werden kann. Durch die daraus resultierenden massiven Verkaufsaufträge ist praktisch vorherbestimmt, dass der Markt auch die nächste Marke überschreitet und dann für den Rest des Tages nicht mehr gehandelt werden kann. Ein Liquiditätsmangel am AAktienmarkt schwappt häufig auch auf Hongkong über, da Anleger versuchen, ihre Papiere dort loszuwerden. Zum Glück scheinen die chinesischen Regulierungsbehörden den Nutzen dieser Obergrenzen inzwischen zu überdenken. So wurde bekanntgegeben, dass dieser Mechanismus ab Freitag, 08. Januar 2016, ausgesetzt wird.

Es wäre falsch anzunehmen, dass der Kursverfall am chinesischen A-Aktienmarkt von einer erneuten Schwäche der chinesischen Wirtschaft ausgelöst wurde. Denn das ist meiner Meinung nach nicht der Fall. Die Kursverdopplung am A-Aktienmarkt im vergangenen Jahr beruhte schließlich auch nicht auf einem Aufschwung der chinesischen Wirtschaft. Es gibt keinen Grund anzunehmen, dass die Fundamentaldaten nur eine Talfahrt am Markt auslösen und keine Aufwärtsbewegung. Aus der Spekulationsblase am A-Aktienmarkt ist die Luft noch nicht vollständig entwichen, aber dieser Prozess ist zweifellos in Gang. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) der Aktien des CSI 300 Index liegt momentan bei 11,3, wohingegen das KGV für das Offshore MSCI China-Universum 9,5 beträgt. Bis die KGVs beider Indizes mindestens gleich notieren, kann die Korrektur kaum als abgeschlossen angesehen werden. Aus derzeitiger Sicht scheint dies jedoch nicht mehr lange zu dauern.

Die aktuelle wirtschaftliche Lage in China ist nicht so dramatisch. Das Wachstum verlangsamt sich zwar, kommt aber nicht zum Erliegen. Die Qualität des Wachstums (stärkere Konsumorientierung) ist weitaus wichtiger als die Quantität. Daher ist eine langsame Abschwächung der Wachstumsrate kein Anlass zur Sorge. Das Bild der chinesischen Wirtschaft ist gemischt. Es gibt einige schwache Branchen (produzierendes Gewerbe) und einige starke Sektoren (Dienstleistungen, Einzelhandel). Der Übergang zu einer stärker konsumorientierten Wirtschaft schreitet voran und wird durch das Reformprogramm der Regierung unterstützt. Aber dies ist keinesfalls ein leichter oder reibungsloser Prozess. Mit einem Volatilitätsanstieg ist durchaus zu rechnen.

DER FAKTOR WÄHRUNG

Die aktuelle Schwäche des Renminbi (der seit Jahresbeginn 1,5% und seit August 2014 um 5,6% gegenüber dem US-Dollar eingebüßt hat) wird ebenfalls als Zeichen einer zugrunde liegenden wirtschaftlichen Schwäche gedeutet. Ich halte dies jedoch aus folgenden Gründen für fraglich. Erstens hat der Renminbi von Anfang 2010 bis Anfang 2015 um 10% gegenüber dem US-Dollar aufgewertet, sodass die Schwäche von einem relativ hohen Niveau ausgeht. Zweitens hat der Renminbi seit Anfang 2015 nur 5,8% an Wert verloren, was wohl kaum ein dramatischer Verlust ist. Drittens ist zu bedenken, dass der Yen 10% und der Euro 20% nachgegeben haben. Warum wird aber die Abwertung dieser beiden Währungen von Anlegern begrüßt, während die Schwäche des Renminbi Anlass zur Sorge bereitet? Das ist kaum nachzuvollziehen. Viertens ist für China die Entwicklung des Renminbi gegenüber einem Korb aus handelsgewichteten Währungen maßgeblich und nicht der bilaterale Wechselkurs zwischen Renminbi und US-Dollar. Auf dieser handelsgewichteten Basis verzeichnet die chinesische Währung eine Seitwärtsbewegung.

Fünftens hat es China nicht nötig, die Exporttätigkeit anzukurbeln. Das Land verfügt über einen großen Handelsüberschuss, gleichzeitig ist die Bedeutung von Exporten für die Wirtschaft im Vergleich zu früher gesunken. Ein weitaus wichtigeres Ziel ist die Entwicklung des Konsums. Das wird durch eine starke Währung unterstützt, nicht durch eine schwache. Zu guter Letzt dürften nach der Aufnahme des Renminbi in den SDRKorb des Internationalen Währungsfonds entsprechende Mittelzuflüsse im Laufe der Zeit zu einer gewissen Unterstützung der chinesischen Währung beitragen. Eine weitere Abwertung der chinesischen Währung schließe ich folglich nicht aus, aber ich halte es für unwahrscheinlich, dass sie von der Regierung ganz bewusst herbeigeführt wird. Die Behörden in China bewegen sich klar in Richtung einer marktgehandelten Währung. Dennoch werden sie versuchen, die durch spekulativen Handel verursachten Schwankungen durch Marktinterventionen abzufedern. Abgesehen von einem möglichen Deflationsexport dürfte eine moderate Schwäche des Renminbi nicht besonders gefährlich für die chinesische Wirtschaft, die Weltwirtschaft oder den Markt sein. Deflationäre Tendenzen könnten indes die US-Notenbank veranlassen, den zweiten Zinsschritt, der die Märkte stützen würde, zu verschieben.

UMGANG MIT DER SITUATION

Unter diesen Umständen sollten Anleger einen kühlen Kopf bewahren und gezielt in Aktien anlegen, um von der aktuellen Schwäche zu profitieren. Panikverkäufe bieten für langfristig orientierte Anleger häufig ausgezeichnete Kaufgelegenheiten. Die Fundamentaldaten haben sich in den letzten zwei Wochen nicht verändert, Aktien haben sich jedoch deutlich verbilligt. Erfolgreiche Investoren predigen schon lange, dass wir für eine ansehnliche Rendite antizyklisch handeln müssen, d.h. kaufen, wenn andere verkaufen und verkaufen, wenn andere kaufen. Anhand einer sorgfältigen Bottom-up- Analyse, wie sie unser 50-köpfiges Analystenteam in Asien durchführt, lassen sich gute Unternehmen mit solider Geschäftsführung aufspüren, die günstig bewertet sind. In Asien gibt es rund 17.000 gelistete Unternehmen, mehr als in den USA und Europa zusammen. Viele dieser Unternehmen sind künftige Gewinner und werden sich hervorragend entwickeln – unabhängig vom Markt- oder Wirtschaftsumfeld. Ich gehe davon aus, dass sich speziell in China der Markt für A-Aktien weiter schwach entwickeln wird. Bei den an der Börse in Hongkong notierten H-Aktien gibt es meines Erachtens jedoch durchaus Wertpotenzial.

MATTHEW SUTHERLAND ist bei Fidelity International seit Ende 2012 als Leiter Produktmanagement – Asien tätig. In dieser Rolle führt er ein Team aus Produkt- und Investmentspezialisten in Asien. Zuvor war er Head of Research für den Asien-Pazifik-Raum.

 

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