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Aktien Frankfurt: Türkei-Krise erfasst Dax – Auf Wochensicht nun klar im Minus

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10.08.2018 – 14:41 Uhr

FRANKFURT (dpa-AFX) – Die Türkei-Krise hat den Aktienmarkt erfasst und drückt die Kurse im Dax immer tiefer. Der seit Tagen schwerfällige Leitindex stand am Freitagnachmittag zeitweise mehr als 2 Prozent im Minus. Zuletzt verlor er 1,86 Prozent auf 12 440,23 Punkte. Somit hat sich das Barometer in dieser Woche doch noch für eine deutliche Richtung entschieden, nachdem in den vergangenen Tagen selbst eine große Welle an Quartalsberichten den Index nur wenig von der Stelle gebracht hatte. Auf Wochensicht zeichnet sich aktuell für den Dax ein Abschlag von 1,4 Prozent ab.

Börsianer machten erneut auf den internationalen Handelskonflikt zwischen den USA und China, die verschärften Sanktionen Washingtons gegen Russland und die saisonale Schwäche während der Sommermonate aufmerksam. Vor allem trübt nun aber der rasante Verfall der türkischen Währung Lira die Stimmung. Händler fürchten, dass sich die Nervosität am Devisenmarkt auf den Aktienmarkt überträgt.

Für den MDax der mittelgroßen deutschen Unternehmen ging es am Freitag um 1,17 Prozent abwärts auf 26 667,87 Punkte. Der Technologiewerte-Index TecDax sank um 1,31 Prozent auf 2909,30 Punkte. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 verlor 1,69 Prozent auf 3435,13 Punkte.

Einem Medienbericht zufolge sorgt sich inzwischen auch die Europäische Zentralbank (EZB) um Bankhäuser mit starkem Engagement in der Türkei. Vor allem Großbanken wie die spanische BBVA , die französische BNP Paribas und die italienische Unicredit stünden deshalb unterer besonderer Beobachtung, berichtete die „Financial Times“ (FT) unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen.

Der europäische Bankensektor gab als einer der schwächsten der Stoxx-600-Branchenübersicht um fast 2 Prozent nach. Deutsche Kreditinstitute sind laut Marktexperten in der Türkei offenbar weniger stark engagiert als andere europäische Häuser. Die Aktien der Deutschen Bank und der Commerzbank wurden dennoch in Sippenhaft genommen und verloren im Dax 4,4 Prozent und 3,3 Prozent. Bei der Deutschen Bank sorgte zudem eine Abstufung auf „Underweight“ durch das US-Haus Morgan Stanley für Abgabedruck.

Halbleiterwerte wie Infineon aus dem Dax sowie Aixtron und Dialog Semiconductor aus dem TecDax verzeichneten hohe Kursverluste von teils bis 4,8 Prozent im Fall von Aixtron. Händler verwiesen auf skeptische Stimmen von Morgan Stanley, deren Analysten fürchten, der Zyklus in der Chipbranche könnte den Höhepunkt erreicht haben. Der europäische Tech-Sektor zeigte sich mit Abschlägen von 1,8 Prozent ebenfalls sehr anfällig.

Quartalszahlen gab es am Freitag von Innogy , LEG Immobilien und Hella aus dem MDax sowie von Carl Zeiss Meditec und Bechtle aus dem TecDax . Hapag-Lloyd und TLG Immobilien – beide im SDax – öffneten ebenfalls ihre Bücher.

Ein Kurseinbruch von mehr als 8 Prozent bereitete im MDax den Anlegern von K+S Kopfschmerzen. Der Dünger- und Salzproduzent wird seinen operativen Gewinn in diesem Jahr wohl nicht so stark steigern wie von Analysten erhofft. Die Papiere des Essenslieferanten Delivery Hero fielen um 3,2 Prozent nach einer von der Deutschen Bank gestrichenen Kaufempfehlung.

Positiv aufgenommene Quartalszahlen gaben den Immobilien-Aktien von LEG und TLG Auftrieb. LEG gewannen auf Platz zwei im MDax 1 Prozent. TLG verteuerten sich an der Spitze im SDax um gut 4 Prozent. Mit 99,34 Euro hatten LEG im frühen Handel zudem ein Rekordhoch erreicht. Immobilienwerte waren in dem schwachen Markt als defensive Werte gesucht.

Im TecDax gewannen die Papiere des IT-Dienstleisters Bechtle 3,7 Prozent und profitierten dabei von der Anhebung der Jahresziele. Sie hatten am Vormittag zudem mit 84,15 Euro so hoch gestanden wie noch nie.

Beim Medizintechnik-Konzern Carl Zeiss Meditec brummt weiterhin das Geschäft mit Augenlasern, Diagnostikgeräten und Operationsmikroskopen. Die Papiere markierten mit 71,30 Euro ebenfalls ein neues Hoch und gewannen zuletzt 2,5 Prozent. Der HealthCare-Sektor gab insgesamt um 0,3 Prozent nach, war damit aber der beste in Europa. In schwachen Marktphasen schneiden als defensiv geltende Branchen für gewöhnlich besser ab.

Am Rentenmarkt fiel die Umlaufrendite von 0,21 Prozent am Vortag auf 0,16 Prozent. Der Rentenindex Rex stieg um 0,20 Prozent auf 141,43 Punkte. Der Bund-Future gewann 0,28 Prozent auf 163,04 Punkte. Den Euro belastete der Kursverfall der türkischen Lira. Die Gemeinschaftswährung rutschte unter 1,15 US-Dollar und kostete zuletzt 1,1448 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Donnerstagnachmittag deutlich höher auf 1,1593 (Mittwoch: 1,1589) Dollar festgesetzt./ajx/jha/

— Von Achim Jüngling, dpa-AFX —

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