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AKTIEN IM FOKUS 2: Carrefour zieht Einzelhandelsbranche runter

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31.08.2017 – 18:43 Uhr

(Neu: Schlusskurse, Kommentar DZ Bank zu Metro und S&P zu Carrefour)

FRANKFURT/PARIS (dpa-AFX) – Ein enttäuschender Halbjahresbericht der französischen Supermarktkette Carrefour mit sehr zurückhaltenden Aussagen zur weiteren Geschäftsentwicklung hat am Donnerstag die gesamte europäische Einzelhandelsbranche in Sippenhaft genommen.

In der Stoxx-600-Branchenübersicht war der Einzelhandelssektor mit einem Abschlag von 1,30 Prozent der schwächste. Seit Jahresbeginn hat die Branche ein Minus von inzwischen rund 8 Prozent angehäuft.

CARREFOUR VERLIEREN 13 PROZENT

Carrefour-Aktien sackten in Paris um mehr als 13 Prozent auf 16,94 Euro ab. Der Konzern kämpft nach Ansicht von Analyst Bruno Monteyne von Bernstein Research nicht nur mit Preisproblemen. Vielmehr hätten die Franzosen wohl aus dem Auge verloren, was die Verbraucher wirklich wollten. So halte sich Carrefour mit Blick auf den Online-Handel sehr zurück.

Während der Bernstein-Experte aber bei seinem „Market-Perform“-Votum blieb, zog die US-Bank JPMorgan mit ihrer Abstufung der Carrefour-Papiere von „Overweight“ auf „Neutral“ die Reißleine. Analyst Borja Olcese kappte seine Schätzungen um 30 Prozent und sein Kursziel von 26 auf 20 Euro, womit er bei den Papieren gemessen am aktuellen Niveau gleichwohl noch etwas Luft nach oben sieht.

Mit einer Abstufung von „Buy“ auf „Hold“ und einer Kurszielsenkung von 24,50 auf 19,00 Euro reagierte auch das Analysehaus S&P Global entsprechend auf die jüngste Entwicklung bei Carrefour. Vor allem der weiter starke Wettbewerbsdruck in Frankreich sei Anlass zur Sorge, hieß es.

METRO DURCHAUS ÜBERZEUGEND, AKTIE ABER IM MINUS

Hierzulande gerieten auch die Aktien des Lebensmittelhändlers Metro , der am Morgen mit seinen jüngsten Ergebnissen am Markt eigentlich zu überzeugen wusste, in den Sog von Carrefour. Die Aktien verloren 2,06 Prozent. Analyst Christian Bruns von der Investmentbank Equinet sprach im Fall von Metro von einer starken Umsatzentwicklung im dritten Geschäftsquartal, die sowohl die Markterwartungen als auch seine Schätzungen übertroffen habe.

Für das gesamte Geschäftsjahr 2016/17 zeichne sich aber ein deutlich negativeres Finanzergebnis ab als bisher von ihm erwartet, schrieb Analyst Herbert Sturm von der DZ Bank. Deshalb habe er seine Ergebnisschätzungen für 2016/17 und die Folgejahre nach unten revidiert. Im Branchenvergleich sei die Metro-Aktie aber deutlich unterbewertet.

Die Anteile des Supermarktbetreibers Ahold Delhaize büßten 1,18 Prozent ein, was den vorletzten Platz im Eurostoxx bedeutete. Sie stehen ohnehin seit einiger Zeit wegen der milliardenschweren Übernahme der Öko-Supermarktkette Whole Foods durch Amazon und dessen Offensive im stationären US-Lebensmittelhandel unter Druck. Ahold Delhaize ist in den Vereinigten Staaten besonders stark engagiert.

STEINHOFF, FIELMANN UND CECONOMY IM PLUS

Einige Lichtblicke gab es in dem Sektor dennoch: So legten die Papiere des Möbel- und Einzelhändlers Steinhoff nach Zahlenvorlage um 2,17 Prozent zu. Steinhoff konnte vor allem dank einiger Übernahmen seinen Umsatz in den ersten drei Geschäftsquartalen bis Ende Juni kräftig steigern. Das aktuelle Kursplus lindert damit die Folgen des Kursbebens vor wenigen Tagen, als infolge staatsanwaltlicher Ermittlungen die Steinhoff-Papiere zeitweise im zweistelligen Prozentbereich eingeknickt waren.

Die Titel der Optikerkette Fielmann , die nach dem Handelsstart am Donnerstag zunächst abgesackt waren, gewannen 0,91 Prozent. Wachstum brachte Fielmann vor allem die Eröffnung neuer Filialen im zweiten Quartal. Beim Ergebnis trat das Unternehmen hingegen auf der Stelle. Die Zahlen fielen in etwa wie von Experten vorhergesagt aus. Analyst Thomas Maul von der DZ Bank sprach denn auch von einer soliden Geschäftsentwicklung, hält die Aktien allerdings für ambitioniert bewertet. Der MDax-Konzern investiert derzeit kräftig in sein Ladennetz, baut Filialen um oder eröffnet neue.

Deutlich im Plus mit 3,16 Prozent standen die Aktien von Ceconomy . Dem aus der Aufspaltung des Handelskonzerns Metro hervorgegangene Elektronikhändler hatte im dritten Geschäftsquartal ein gutes Onlinegeschäft auf die Sprünge geholfen. Eine stärkere Kostenkontrolle verbesserte zudem die Profitabilität. Der ehemalige Mutterkonzern Metro Group hatte sich im Sommer in zwei unabhängige Unternehmen gespalten. Der Lebensmittelteil heißt weiterhin Metro. Ceconomy umfasst im Kern die Elektronikketten Media Markt und Saturn sowie den Onlinehändler Redcoon.

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