SJB Antizyklisches Portfolio Management (SJB APM) SJB FondsSkyline OHG 1989. Mehr. Als Fonds. Kaufen.

Portfolio Management. Nachlese. Antizyklisch.

Börse Frankfurt-News: Sprengsatz Leistungsbilanz (Hüfners Wochenkommentar)

Kommentare 0 Kommentare
sjb_blog_dpa_logo_300_200

28.09.2016 – 15:00 Uhr

FRANKFURT (DEUTSCHE-BOERSE AG) – 28. September 2016. Hüfner beleuchtet, was eine deutsche Überschussproduktion für die internationale Wirtschaft bedeutet.

In Deutschland baut sich ein Ungleichgewicht auf, das in der EU und auf den Märkten erhebliche Sprengkraft entwickeln kann. Bisher wird es vorwiegend in Fachkreisen diskutiert. Das wird aber nicht so bleiben. Gemeint ist der riesige deutsche Leistungsbilanzüberschuss.

In diesem Jahr wird Deutschland fast 300 Milliarden Euro mehr Güter und Dienste exportieren als es importiert. Das sind über 9 Prozent des BIPs. Der Leistungsbilanzsaldo hat sich in den letzten Jahren drastisch ausgeweitet

In der Finanzkrise 2008 war er nur etwas mehr als halb so groß. Bei Gründung der Währungsunion hatte die Bundesrepublik sogar noch ein leichtes Defizit. Kein Mensch hätte sich damals vorstellen können, dass die Dinge so aus dem Ruder laufen könnten. Deutschland hat inzwischen den höchsten Überschuss der Welt. Er ist sogar größer als der Chinas.

Über die Bewertung dieser Entwicklung wird viel gestritten. Manche sagen, dass das doch gar kein Problem sei. Es sei im Gegenteil eine Auszeichnung und zeige, wie wettbewerbsfähig die deutschen Exporteure sind.

Man kann die Sache aber auch aus anderer Perspektive sehen. Dann zeigt sich das Ungleichgewicht. Da ist zunächst die Tatsache, dass Deutschland mehr produziert als es selbst benötigt. Wenn sich so etwas in Grenzen hält, ist es nicht unvernünftig. Da kann die Volkswirtschaft Reserven für schlechtere Zeiten ansammeln. Problematisch ist aber, wenn es zu groß wird. Dann werden Ressourcen verschleudert. Mit 300 Milliarden Euro ist der Saldo so groß wie der gesamte Umsatz des deutschen Maschinenbaus und der Pharmaindustrie zusammen. Das ist eindeutig zu viel.

Nun kann man einwenden, dass Deutschland die Überschüsse nicht verschenkt, sondern verkauft. Das ist aber ein schlechter Deal. Denn das Land erhält als Gegenleistung für reale Güter und Dienste monetäre Forderungen. Um es drastisch zu formulieren: Es liefert Porsche ans Ausland, bekommt dafür aber nur Papier. Natürlich erhöht sich das Volksvermögen. Es beläuft sich derzeit auf fast 1.500 Milliarden Euro. Aber auf wie viel davon kann Deutschland am Ende zurückgreifen, wenn es das Geld wirklich einmal brauchen sollte? Die Deutschen beschweren sich, dass sie im Euroraum so oft zur Kasse gebeten werden und wehren sich gegen eine Transferunion. Bei der Leistungsbilanz geben sie die Kredite ans Ausland ganz freiwillig und sind noch stolz darauf.

Noch gewichtiger sind die internationalen Probleme. Wenn einer Überschüsse hat, muss ein anderer zwangsläufig Defizite aufweisen und sich verschulden. Deutschland verlangt von anderen Staaten mit Recht, dass sie ihre Verhältnisse in Ordnung bringen und nicht so viele Kredite aufnehmen. Aber wie sollen sie das tun, wenn Deutschland sie durch seinen Überschuss ins Defizit zwingt? Die Hauptbetroffenen der deutschen Leistungsbilanzüberschüsse sind die Partner in der Währungsunion, Großbritannien, die USA und die Schwellen- und Entwicklungsländer. Sie alle wehren sich mit Recht gegen die deutschen Überschüsse.

Leistungsbilanzüberschüsse in der Höhe widersprechen im Übrigen den Prinzipien der internationalen Zusammenarbeit. In den Maastrichter Verträgen der EU ist festgelegt, dass kein Mitgliedsland ein größeres Defizit als 6 Prozent des BIPs haben sollte (was schon sehr viel ist). Dagegen verstößt Deutschland erheblich. Es wird dafür von der EU-Kommission kritisiert. Das amerikanische Finanzministerium spricht von einem Risiko für die Finanzstabilität.

Was kann Deutschland tun, um von der Anklagebank herunter zu kommen? In der Zeit vor der Währungsunion war die Antwort einfach. Wenn ein Land Leistungsbilanzüberschüsse hatte, wertete sich seine Währung auf. Dadurch verringerten sich die Exporte und die Importe stiegen. In einer Währungsunion mit festen Wechselkursen ist das schwieriger. Manche empfehlen, in Deutschland müssten die Löhne stärker steigen. Dadurch verschlechtere sich seine Wettbewerbsfähigkeit. Es würde weniger exportieren und mehr importieren.

Ich halte das nicht für vernünftig. Man sollte Probleme nicht dadurch lösen, dass sich der Bessere an die Standards des Schlechteren anpasst. Letztlich geht es darum, dass die Binnennachfrage in Deutschland stärker steigt. Wenn die Exporte weniger wachsen sollen, dann müssen die Investitionen erhöht werden. Das macht auch Sinn. Die privaten Investitionen der Unternehmen sind in Deutschland schon seit Jahren zu gering. Die staatlichen Investitionen müssen ohnehin ausgeweitet werden. Deutschland braucht bessere Straßen, Brücken, Eisenbahnen und ähnliches. Es braucht auch mehr Ausgaben für Bildung und Forschung, nicht zuletzt für Sicherheit.

Darüber hinaus wäre eine Ausweitung des privaten Konsums sinnvoll. Es gibt hier viele Stellschrauben. Man könnte zum Beispiel die Steuern senken und die Ladenöffnungszeiten am Wochenende ausweiten. Wer hat nicht schon an einem verregneten Sonntag daran gedacht, wie schön es wäre, dann einkaufen zu können?

Für Anleger

Bereiten Sie sich darauf vor, dass es neuen Ärger innerhalb der Währungsunion und Auseinandersetzungen auf internationaler Ebene gibt. Das schafft Nervosität und Unsicherheit auf den Devisenmärkten. Die Volatilität steigt. In der EZB gewinnen die Kräfte an Gewicht, die einen eventuell geplanten Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik weiter nach hinten schieben wollen. Das hilft den Aktien- und Bondmärkten. Auf Mikroebene ergeben sich für den Anleger Chancen bei Unternehmen, die von Steuersenkungen und dem Ausbau der Infrastruktur profitieren (zum Beispiel Konsum, Bau, Zement).

von: Martin Hüfner

28. September 2016, sie können sich kostenlos für unseren täglichen Newsletter per E-Mail anmelden. Registrieren Sie sich bei www.boerse-frankfurt.de/newsletter

Laden Sie sich jetzt die neue Version der Börse Frankfurt-App für Android oder iOS herunter, bzw. aktualisieren Sie die Version auf Ihrem Smartphone. Die App bietet jetzt kostenlose Xetra-Preise in Realtime. Bis zu drei Titel können Sie in Ihre Watchlist aufnehmen. Außerdem: Broker-Buttons für den direkten Weg in Ihre Ordermaske, Watchlists ohne Anmeldung u.v.m.

Unterstützen Sie uns bitte mit Ihrem Feedback – im App-Store oder direkt per Mail an uns.© Assenagon

Dr. Martin W. Hüfner ist Chief Economist bei Assenagon. Viele Jahre war er Chefvolkswirt der Bayerischen Hypo- und Vereinsbank AG und Senior Economist der Deutschen Bank AG. Er leitete fünf Jahre den renommierten Wirtschafts- und Währungsausschuss der Chefvolkswirte der Europäischen Bankenvereinigung in Brüssel. Zudem war er über zehn Jahre stellvertretender Vorsitzender beziehungsweise Vorsitzender des Wirtschafts- und Währungsausschusses des Bundesverbandes Deutscher Banken und Mitglied des Schattenrates der Europäischen Zentralbank, den das Handelsblatt und das Wallstreet Journal Europe organisieren. Dr. Martin W. Hüfner ist Autor mehrerer Bücher, unter anderem „Europa – Die Macht von Morgen“ (2006), „Comeback für Deutschland“ (2007), „Achtung: Geld in Gefahr“ (2008) und „Rettet den Euro!“ (2011).

Dieser Artikel gibt die Meinung des Autors wieder, nicht die der Redaktion von boerse-frankfurt.de. Sein Inhalt ist die alleinige Verantwortung des Autors.

(Für den Inhalt der Kolumne ist allein Deutsche Börse AG verantwortlich. Die Beiträge sind keine Aufforderung zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren oder anderen Vermögenswerten.)

SJB - Rückruf. Vereinbaren.

Fonds. Mit Problemen.Fonds. Ohne Probleme.

Fonds. Erwerben.FondsKlassiker. Kombiniert.FondsNote. Abonnieren.FondsBeratung. Individuell.FondsBotschafter. Leben.FondsStrategien. Kaufen.Fonds. 100% Rabattiert.

..

..

Ihr kostenloser SJB DepotCheck. Einfach PDF übersenden.

*Pflichtfelder

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Ich akzeptiere die Datenschutzerklärung der SJB FondsSkyline OHG 1989.

*

Haftung für Inhalte - Keine Beratung

Die Inhalte auf dieser Homepage werden von uns mit der gebotenen journalistischen Sorgfalt erstellt. Wir müssen dennoch ausdrücklich darauf hinweisen, dass die Beiträge und Informationen keine Beratung und auch keine Empfehlung darstellen. Wenn Sie eine Beratung oder Empfehlung wünschen, wenden Sie sich bitte an einen unserer Berater.

Sämtliche dargestellten Inhalte wie Analysen und Kommentare, Fonds- oder Wertpapiernennungen und Ergebnisse der Vergangenheit berücksichtigen weder Ihre persönlichen Investitionsziele noch Ihre finanziellen Verhältnisse und auch nicht Ihre persönlichen Bedürfnisse. Sie sind deshalb als reine Marketinginformationen anzusehen und stellen keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung der SJB FondsSkyline OHG 1989 dar. In Bezug auf Vollständigkeit und Richtigkeit der dargestellten Inhalte übernimmt SJB FondsSkyline OHG 1989 keine Gewähr. Eine Haftung für Anlageentscheidungen aufgrund der Inhalte dieser Homepage ist ausgeschlossen; der Anleger, der keine Beratung der SJB FondsSkyline OHG 1989 in Anspruch nimmt, trifft seine Anlageentscheidung alleinverantwortlich und auf eigenes Risiko.

Soweit unsere Homepage Links zu externen Webseiten Dritter enthält, erlauben wir uns den Hinweis, dass wir auf deren Inhalte keinen Einfluss haben. Deshalb können wir für diese fremden Inhalte auch keine Gewähr übernehmen. Für Inhalte der verlinkten Seiten ist stets der jeweilige Anbieter oder Betreiber der Seite verantwortlich.

Die erstellten Inhalte auf dieser Homepage unterliegen dem deutschen Urheberrecht.

Vervielfältigung, Bearbeitung, Verbreitung und jede Art der Verwertung außerhalb der Grenzen des Urheberechts, insbesondere die Aufnahme in andere Online-Dienste und Internet-Angebote sowie die Vervielfältigung auf Datenträger, dürfen nur nach vorheriger schriftlicher Zustimmung der SJB FondsSkyline OHG 1989 erfolgen.

© 2020
SJB FondsSkyline 1989 e.K.
Bachstraße 45c
41352 Korschenbroich

Telefonwork +49 (0) 2182 - 852 0
Faxfax +49 (0) 2182 - 8558 100

Homepage www.sjb.de
Blog www.sjbblog.de
E-Mail

Kontakt. Direkt.


Ich akzeptiere die Datenschutzerklärung der SJB FondsSkyline 1989 e.K.

Wir benutzen Cookies um die Nutzerfreundlichkeit der Webseite zu verbessen. Durch Ihren Besuch stimmen Sie dem zu.