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Fachkräftemangel im Handwerk verschärft sich und bremst Wohnungsbau

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12.08.2018 – 14:24 Uhr

BERLIN (dpa-AFX) – Der Fachkräftemangel im Handwerk nimmt zu – mit wachsenden Folgen für Kunden. „Das Problem hat sich noch weiter verschärft“, sagte Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer der Deutschen Presse-Agentur. „Das hat zur Folge, dass unsere Kunden immer länger warten müssen. Darüber sind natürlich auch unsere Betriebe gar nicht froh, denn die wollen ihre Aufträge schnell und gut erledigen. Betroffen sind inzwischen auch Stammkunden.“ Gebremst durch Fachkräftemangel wird zunehmend auch der Bau neuer Wohnungen, wie es in einer Studie der staatlichen Förderbank KfW heißt.

Die Auftragsbücher der Bauunternehmen sind prall gefüllt, doch weil Fachkräfte fehlen, können sie nicht schnell genug abgearbeitet werden. Während das Bauhauptgewerbe, zum Beispiel Hochbauunternehmen, den Angaben zufolge die Lücke bislang mit Mitarbeitern aus dem Ausland füllt, fehlen im Bauhandwerk zunehmend qualifizierte Kräfte. Die KfW rechnet damit, dass in diesem Jahr mehr als 300 000 neue Wohnungen (2017: 285 000) fertiggestellt werden. Das wären zwar so viele wie seit der Jahrtausendwende nicht mehr. Doch um die Wohnungsnot wirksam zu bekämpfen, müssen Prognosen zufolge bis 2020 jährlich 350 000 bis 400 000 Einheiten gebaut werden.

Der Studie zufolge mangelt es an Fachkräften im Klempner-, Sanitär-, Heizungs- und Klimahandwerk. Das zeige die hohe Zahl und die lange Dauer gemeldeter offener Stellen bei der Bundesarbeitsagentur, sagte KfW-Chefvolskwirt Jörg Zeuner. Vor allem Meister seien schwer zu bekommen, aber zunehmend auch andere qualifizierte Mitarbeiter. „Der Fachkräftemangel wird allmählich zum größten Risiko für eine Ausweitung der Bautätigkeit in Deutschland“, warnte der Ökonom.

Die Bundesagentur für Arbeit habe festgestellt, dass im Handwerk rund 150 000 Fachkräfte fehlten, sagte Wollseifer. Aber viele Betriebe meldeten gar keine offenen Stellen mehr. „Deshalb schätzen wir die Zahl der fehlenden Fachkräfte im Handwerk auf 200 000 bis 250 000.“ Bei Notfällen wie Sturm- oder Wasserschäden kämen Handwerker weiter schnell. „Wenn man aber ein neues Dach will, weil es erneuert werden soll, dann kann es sein, dass man zehn bis zwölf Wochen warten muss. Und es gibt auch keine Entwarnung: Das Problem wird sich in den nächsten 18 bis 24 Monaten nicht verbessern.“

Das Handwerk habe zu wenig Nachwuchs. „Das verschärft sich immer mehr, weil es einerseits immer weniger Schulabgänger und andererseits den Drang zum Studium gibt.“ Obwohl die Zahl neu abgeschlossener Ausbildungsverträge steige, werde das Handwerk auch dieses Jahr nicht alle Ausbildungsplätze besetzen können, so Wollseifer. „Zurzeit sind mehr als 30 000 Ausbildungsplätze allein im Handwerk weiter offen – und das trotz der sehr guten Zukunfts- und Berufsperspektiven. Das wird sich bis Ende September reduzieren, aber wir rechnen damit, dass dann immer noch um die 20 000 Ausbildungsplätze nicht besetzt sind.“ Um Jugendliche zu begeistern, seien Anerkennung für das Handwerk und Wertschätzung für berufspraktische Ausbildung und Arbeit nötig.

Wollseifer forderte zudem, dass die Meisterausbildung und -prüfung künftig vollständig kostenfrei sei – genauso wie auch das Studium bis zum Examen kostenfrei sei. Um den Meister kostenfrei zu stellen, wären etwa um die 60 Millionen Euro nötig. „Das sollte es unserer Gesellschaft schon wert sein, meisterliches Können auch für die Zukunft zu sichern.“

Zudem brauche das Handwerk ausländische Fachkräfte. „Ein Einwanderungsgesetz muss vor allem beruflich Qualifizierte in den Blick nehmen. Wir wollen junge Facharbeiter aus dem Ausland anwerben, dafür müssen aber die Verfahren deutlich einfacher werden. Unser Vorschlag ist, Migrationsabkommen mit all den Ländern abzuschließen, die ein vergleichbares Ausbildungssystem und -niveau haben.“

Kritik an einem Einwanderungsgesetz für Fachkräfte übte die Linke-Bundestagsfraktionschefin Sahra Wagenknecht. „Deutschland muss seine Fachkräfte selbst ausbilden“, sagte sie der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“. Schuld am Arbeitskräftemangel sei vor allem ein unterfinanziertes Bildungssystem. „Internationalismus bedeutet nicht: Abwerbung der Mittelschicht aus armen Ländern, um hier Lohndumping zu betreiben.“

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