Pressemitteilung Columbia Threadneedle Investments: Halbjahresausblick Anleihen: Neue Chancen durch Divergenz und Fehlbewertungen

Columbia Threadneedle | Frankfurt am Main, 03.07.2026

Anleihen bleiben trotz politischer und wirtschaftlicher Unsicherheit attraktiv – doch enge Risikoaufschläge und zunehmende Marktstreuung verlangen mehr Selektivität als bisher. In ihrem Halbjahresausblick diskutieren Gene Tannuzzo, Global Head of Fixed Income, und Ed Al-Hussainy, Portfolio Manager bei Columbia Threadneedle Investments, wie es mit Inflation, Zinsen und Geldpolitik weitergeht und welche Sektoren und Segmente im zweiten Halbjahr für Anleger spannend sind.

In Zeiten großer politischer und wirtschaftlicher Unsicherheit bleiben Anleihen eine spannende Quelle für Rendite. Doch Achtung: Die niedrigen Risikoaufschläge legen die Messlatte höher. Und obwohl die Fundamentaldaten robust bleiben, nimmt die Performancestreuung zu. Für Anleger bedeutet das: Gefragt sind jetzt Flexibilität, Disziplin und eine aktive Emittentenauswahl. Es gilt, die heutigen höheren Renditen zu nutzen, das Anlageuniversum gezielt zu erweitern und entlang der gesamten Zinskurve auf qualitativ hochwertige Emittenten zu setzen.

Stärkere regionale Differenzierung
Die Inflation, der Arbeitsmarkt und der weitere Kurs der US-Notenbank (Fed) sorgen auch weiterhin für große Unsicherheit, und Anleiheanleger müssen jetzt ein komplexeres und weniger vorhersehbares Umfeld navigieren. Die Spannungen im Nahen Osten haben einen ungleichmäßigen Energieschock ausgelöst, der Europa und Teile Asiens stärker trifft als die USA, die als Nettoenergieexporteur sogar davon profitieren. Die Folge ist eine zunehmende Divergenz: Die Zinsen sind in Europa stärker gestiegen, und einige asiatische Volkswirtschaften sahen sich gezwungen, ihre Währungen durch eine straffere Geldpolitik oder Interventionen zu stützen. Für Anleger bedeutet das: Der globale Zins- und Inflationsausblick lässt sich immer weniger über einen einheitlichen Makrotrend erklären.

Die US-Zinsen sinken nicht
Besonders in den USA hat sich der Zinsausblick deutlich verschoben. Die Disinflation ist ins Stocken geraten – aufgrund der hartnäckigen Inflation im Dienstleistungssektor und der langfristigen Auswirkungen der US-Zölle, vor allem aber wegen des geopolitisch bedingten Energiepreisanstiegs. Letzterer hat nicht nur den Preisdruck verstärkt, sondern die Debatte verschiebt sich immer mehr darauf, wie nachhaltig die Inflation ist – insbesondere falls der Konflikt im Nahen Osten andauert.

Ein weiterer Faktor ist der Arbeitsmarkt. Die bisherigen Sorgen angesichts steigender Arbeitslosigkeit haben sich gelegt, wodurch eine geldpolitische Lockerung unwahrscheinlicher wird. Ohne eine deutliche Verschlechterung der Arbeitsmarktlage ist damit einer der wichtigsten Gründe für Zinssenkungen weggefallen. Statt Zinssenkungen rechnen die Märkte jetzt mit einer längeren Phase der Zurückhaltung, und auch Zinsanhebungen erscheinen wieder im Rahmen des Möglichen. Die Ernennung von Kevin Warsh zum neuen Vorsitzenden der Notenbank erhöht die Unsicherheit zusätzlich: Zwar wurde er als Trump-Kandidat eher mit einer lockeren Geldpolitik assoziiert. Seine Betonung von Preisstabilität hat jedoch die Erwartung einer längeren restriktiven Phase verstärkt – bis hin zur Möglichkeit einer ersten Zinserhöhung im Jahr 2027

Diese Neubewertung der geldpolitischen Erwartungen spiegelt sich auch in der flacheren Zinsstrukturkurve wider – die Zinsen am kurzen Ende steigen stärker als am langen Ende. Auch wenn der Zeitpunkt der Straffung ungewiss ist, sollten Anleger weiterhin auf Anleihen setzen: Diese haben Bargeld mit Blick auf Performance historisch stets übertroffen – unabhängig vom geldpolitischen Zyklus und selbst in Straffungsphasen (Abbildung 1).

Anleihenmärkte: Ruhe vor dem Sturm?
Obwohl Schlagzeilen immer wieder Volatilität auslösen, bleiben die Anleihemärkte dank solider Fundamentaldaten und der Nachfrage der Anleger robust. Die Risikoaufschläge bewegen sich jedoch nahe historisch niedriger Niveaus. Sollten die Zinsen steigen, wird es auch am Anleihenmarkt zu Kursschwankungen kommen.

Im Investment-Grade-Segment bedeutet der begrenzte Spielraum für eine weitere Verengung der Spreads weniger attraktive Chancen. Wir bevorzugen Segmente, in denen die Renditen vergleichbar sind, die Spread-Sensitivität jedoch geringer ist.

Ein weiterer wichtiger Faktor ist die Schuldenaufnahme zur Finanzierung der künstlichen Intelligenz (KI). Große, profitable Unternehmen begeben Anleihen, um den Ausbau entsprechender Infrastruktur zu finanzieren. Das erhöht das Emissionsvolumen, vergrößert die Streuung zwischen einzelnen Emittenten und führt zu einer stärkeren Differenzierung der Risikoaufschläge. Getrieben wird diese Entwicklung vor allem durch strukturelle Nachfrage nach KI-Infrastruktur – nicht allein durch spekulative Übertreibung.

Streuung schafft Chancen
Mit der zunehmenden Streuung gewinnt die Titelauswahl an Bedeutung. Hinzu kommt: Zwar bleibt das makroökonomische Umfeld insgesamt weiterhin günstig, doch die Spreads sind eng. Fehlbewertungen bei Anleihen mit vergleichbarer Qualität verdeutlichen, dass sich das investierbare Spektrum ausgeweitet hat. Hochwertige festverzinsliche Wertpapiere gibt es auch außerhalb des traditionellen Investment-Grade-Universums. So können beispielsweise ausgewählte verbriefte Vermögenswerte – wie etwa AAA-Strukturen ohne staatliche Absicherung – attraktivere Renditen bieten als Unternehmensanleihen geringerer Qualität (Abbildung 2).

Diese Bereiche halten wir für besonders attraktiv:

  • Leveraged Loans: Diese hochverzinsten, aber besicherten Anleihen sind im Vergleich zu anderen Spread-Sektoren relativ attraktiv bewertet. Die Sicherheiten stellen dabei eine sekundäre Rückzahlungsquelle dar und sorgen so für überzeugende risikobereinigte Renditen.
  • Verbriefte Konsumentenkredite (Consumer ABS) und hypothekenbesicherte Verbriefungen ohne Staatsgarantie: Konsumenten im oberen Einkommenssegment bleiben finanziell robust. Das eröffnet Chancen bei sorgfältig ausgewählten AAA- sowie AA-Anleihen ohne staatliche oder staatsnahe Garantien – sofern sie über starke strukturelle Schutzmechanismen verfügen.
  • Internationale Anleihen: Investment-Grade-Anleihen außerhalb der USA bieten eine günstige Kombination aus höheren Spreads und geringerer Duration. Sie sind weniger techzentriert und erlauben ein stärkeres Engagement in Sektoren, die auf Sachwerte und Infrastruktur ausgerichtet sind.
  • Kommunalanleihen: Die Fundamentaldaten bleiben solide, auch wenn die Risikoaufschläge niedrig sind. Wir bevorzugen Sektoren, die von langfristigen strukturellen Trends profitieren, wie das Gesundheitswesen und Seniorenwohnanlagen. In Bereichen, die unter langfristigem Druck stehen – wie beispielsweise Universitäten und Hochschulen – gehen wir weiterhin selektiv vor.

Neue Chancen durch Divergenz, Risiken durch hohe Rohstoffpreise und Politik
Die Divergenz der wirtschaftlichen und geldpolitischen Pfade verändert das Chancenspektrum: Der Fokus verlagert sich damit von einem breiten Anleiheengagement hin zu einer selektiveren Positionierung. Unterschiede in der Geldpolitik und die unterschiedlichen Erwartungen der Märkte führen zu einer größeren Bandbreite an möglichen Ergebnissen und eröffnen damit neue Chancen für aktive Anleihemanager.

Anleger sollten dabei jedoch auch die Risiken nicht außer Acht lassen. Zum einen machen die engen Spreads in vielen Sektoren die Märkte anfällig für Neubewertungen und erhöhte Volatilität. Zum anderen kann auch das Wachstum enttäuschen: Anhaltend hohe Rohstoffpreise könnten den Konsum und die Unternehmensmargen unter Druck setzen sowie das Risiko eines schwächeren Wachstums erhöhen, sollten die Gehälter weiter nachgeben. Zusätzlich könnten der neue Fed-Vorsitzende und die US-Zwischenwahlen im November die politischen Erwartungen über das Jahr 2026 hinaus neu gestalten. KI-getriebene Veränderungen könnten zudem die Fundamentaldaten von Unternehmensanleihen branchenübergreifend verändern. In einzelnen Marktsegmenten könnte das dazu führen, dass Risikoaufschläge und Bewertungen die Qualität nicht angemessen widerspiegeln.

Über Columbia Threadneedle Investments
Columbia Threadneedle Investments ist ein führender global tätiger Asset Manager, der eine breite Auswahl an Investmentstrategien und -lösungen für private, institutionelle und Firmenkunden weltweit anbietet. Das Unternehmen beschäftigt über 2.500 Mitarbeiter:innen, darunter mehr als 650 Investment-Expert:innen in Nordamerika, Europa und Asien und verwaltet 554 Mrd. € in den Bereichen Aktien, Anleihen und Multi-Asset, Lösungen und Alternativen.

Columbia Threadneedle Investments ist die weltweit tätige Asset-Management-Gruppe von Ameriprise Financial, Inc. (NYSE:AMP), einem führenden, in den USA ansässigen Finanzdienstleister. Als Teil von Ameriprise werden wir von einem großen und gut kapitalisierten, diversifizierten Finanzdienstleistungsunternehmen unterstützt.

www.columbiathreadneedle.com

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