Pressemitteilung Loys AG: Öl-Sektor mit Sonderkonjunktur

Loys AG | Frankfurt am Main, 27.10.2026

Der Energiesektor befindet sich in einer Sonderkonjunktur. Während die Stromerzeugungsbranche von dem politisch gewollten Umstieg von fossiler Primärenergie hin zu Elektrizität enorm profitiert, hat der Iran-Krieg Israels und der USA zu einer Sonderkonjunktur bei Erdöl und Erdölprodukten geführt.

Zwar gibt es weltweit derzeit keinen Mangel an Erdöl und Gas, jedoch ist der Transport dieser Güter durch die kriegerischen Aktivitäten im Nahen Osten erheblich eingeschränkt.

Ein besonderer Engpass ergibt sich bei raffinierten Produkten, denn der jahrzehntelange Abbau von Raffineriekapazitäten in Europa und den USA bei gleichzeitigem Kapazitätsaufbau in Asien und dem Nahen Osten führt zu einer Verknappung bei Diesel und Kerosin. Unternehmen, die hier lieferfähig sind, erfreuen sich temporär hoher Verarbeitungsmargen. Dazu zählen vor allem reinrassige Raffinerieunternehmen wie etwa Valero Energy, Phillips 66, Neste, HELLENiQ Energy, Marathon Petroleum und Tüpraş aus der Türkei.  Die traditionell schwachmargige Raffineriebranche erlebt also eine temporäre Hochkonjunktur mit Vollauslastung und sogar nach hinten verschobenen Wartungsintervallen. Größter Nutznießer dieser Entwicklung ist in Deutschland der Staat, der mit Energiesteuern, Umsatzsteuern und Gewinnsteuern kräftig am Boom partizipiert.

Auch an der Börse hat der seit Kriegsbeginn am 28. Februar begonnene Trend seine Wirkung nicht verfehlt. Schaut man sich etwa die spanische Repsol Aktie an, die stark in der Verarbeitung von Rohöl engagiert ist, dann steht dort mehr als eine Verdoppelung des Aktienkurses zu Buche. Wesentlich spektakulärer fällt die Bilanz bei reinrassigen und kleineren Raffinerieunternehmen aus. Die amerikanische PBF Energy wusste sich in den letzten 8 Monaten im Kurs glatt zu verdreifachen. Die deutsche Verbio und der finnische Raffineriekonzern Neste Oyj gehören ebenso zu den Profiteuren der Entwicklung.

Mit Erstaunen war in der letzten Woche zu registrieren, dass sich die Bundesregierung nun um eine „Raffineriestrategie“ für Deutschland bemühen will. Offenbar ist den Regierenden aufgefallen, wie sehr das jahrzehntelange Schrumpfen der Branche in Deutschland ein Symbol für die fortschreitende De-Industrialisierung des Landes ist. Nur ist nicht zu erkennen, welche privaten Unternehmen bereit sein werden, in neue Raffineriekapazitäten in Deutschland zu investieren. Die Verteufelung fossiler Energie seitens der Politik hat zur Kontraktion der Branche geführt, die ihrerseits sehr wohl weiß, dass sie im politischen Berlin und bei den meisten Medien unwillkommen ist. Man denke etwa an den abstrusen Ausdruck einer „Übergewinnsteuer“, mit der so getan wird, als ob nicht der Staat selbst der größte Gewinner temporär steigender Treibstoffpreise wäre.

Einmal mehr gilt, dass der Aufbau neuer Kapazitäten – egal ob im Maschinenbau, der Autoindustrie, der Chemieindustrie, der Stahlindustrie, der Luftfahrtindustrie, bei Gaskraftwerken oder bei Raffinerien, attraktive Standortbedingungen erfordert. Andernfalls ist dem Darben kein Einhalt zu gebieten. Das Siechtum der genannten Industriesektoren in Deutschland liegt keineswegs an geringerer weltweiter Nachfrage nach Autos, Stahl, Chemie, Maschinen, Luftverkehrsdienstleistungen und Treibstoffen. Nur hat sich der Wohlstand dorthin verlagert, wo die Wertschöpfung nunmehr stattfindet.

Ihr

Dr. Christoph Bruns

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