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Das Investment: „Japan erntet jetzt Früchte der Abenomics“

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SJB | Korschenbroich, 14.06.2018. Seit den Wahlen im vergangenen Jahr führt Shinzō Abe die Regierungsgeschäfte Japans mit komfortabler Zweidrittelmehrheit. So kann er sein Reformprogramm Abenomics leichter ausbauen. Welche Themen für Investoren besonders spannend werden dürften, beantwortet Christophe Braun, Investment Director der Capital Group.Was bedeutet der hohe Wahlsieg von Premierminister Shinzō Abe im vergangenen Jahr für japanische Aktieninvestoren?Christophe Braun: An den Märkten hatte man einen Sieg von Abes regierender LDP erwartet, aber mit einer Zweidrittelmehrheit hatte man nicht gerechnet. Japanische Aktien haben daraufhin weiter zugelegt. Abe hat jetzt ein klares Mandat für die Fortsetzung seiner Reformpolitik. Und wenn er sich auch bei den LDP-internen Abstimmungen im nächsten Jahr durchsetzt, wird er der dienstälteste japanische Premierminister seit dem Krieg sein

Das bedeutet eine Menge. Für Investoren zählt vor allem, dass sich die Chancen für ernsthafte und nachhaltige Langfristreformen verbessert haben – jedenfalls im Vergleich zu den letzten zehn Jahren, als die Amtszeiten der Premierminister zwischen 265 und 481 Tagen lagen.

Funktionieren die Abenomics?
Braun: In puncto Fiskalpolitik macht man sich am Markt sicherlich wegen der für Oktober 2019 geplanten Mehrwertsteuererhöhung Sorgen. Als Abe 2013 an die Macht kam, legte die Marktstimmung deutlich zu, und die Inflationserwartungen stiegen. Doch nach der ersten Mehrwertsteuererhöhung von 5 auf 8 Prozent im Jahr 2014 brachen Konsumentenvertrauen, Marktstimmung und Inflationserwartungen ein. Jetzt möchte die Regierung die Steuer ein weiteres Mal erhöhen, von 8 auf 10 Prozent. Vielen japanischen Investoren hat dies schon lange Sorgen gemacht. Abe hat aber erklärt, dass er die negativen Folgen durch Staatsausgaben an anderer Stelle kompensieren will, insbesondere im Bildungssektor.

Er möchte einen Teil der Mehreinnahmen für Bildungssubventionen zugunsten von Haushalten mit niedrigen und mittleren Einkommen nutzen und vielleicht auch die Kindergartengebühren für Drei- bis Fünfjährige abschaffen. Vielen Frauen, denen zurzeit Betreuungsmöglichkeiten für ihre Kinder fehlen, wird dies die Rückkehr in den Beruf erleichtern. Schon jetzt öffnen jeden Monat neue Kitas. Aus meiner Sicht gab es bislang zwar nur maßvolle Verbesserungen, aber auch sie sind ein sichtbares Zeichen dafür, dass die Abenomics funktionieren. Jetzt erntet Japan die Früchte der Abenomics.

Lässt Japan die Deflation endlich hinter sich?
Braun: 2012 und 2013 setzten die Investoren auf Reflation, doch dann kamen drei enttäuschende Jahre, insbesondere nach der Mehrwertsteuererhöhung. Ein Blick auf Kapazitätsauslastung und Arbeitslosenquote, also auf die Ressourcennachfrage und das Ressourcenangebot, verrät aber, dass die Teuerung zuletzt etwas zugelegt hat. Die japanische Erwerbsbevölkerung erreichte im Jahr 2000 ihren Höchststand und ist seitdem gefallen.

Weil die Zahl der Arbeitskräfte immer weiter zurückgeht, dürfte die Arbeitslosenquote strukturell fallen. Für die Statistiker der japanischen Notenbank kommt es darauf an, ob die Arbeitslosenquote auf 2,5 Prozent oder weniger fällt, denn bei 2 bis 2,5 Prozent Arbeitslosigkeit steigen tendenziell die Verbraucherpreise. Dann finden bislang unbeschäftigte Arbeiter eine Stelle, sodass Löhne und Preise zulegen. Darauf werden wir genau achten. Heute beträgt die Arbeitslosigkeit etwa 2,8 Prozent, und irgendwann im neuen Jahr dürfte sie auf 2,5 Prozent fallen, wenn nicht darunter. Dann werden wir uns genau mit der Lohnentwicklung befassen.

Gibt es Besonderheiten beim japanischen Arbeitsmarkt?
Braun: Für wichtig halten wir auch die Zweiteilung des Arbeitsmarktes in Vollzeit- und Teilzeitbeschäftigte. Zuletzt kam es selbst bei den Vollzeitbeschäftigten zu Knappheiten; heute wächst die Zahl der Vollzeitbeschäftigten ähnlich stark wie die der Teilzeitarbeiter, sodass die Löhne nicht mehr durch eine Verschlechterung des Quotienten aus Vollzeit- und Teilzeitbeschäftigten fallen.

Früher hat ein überdurchschnittlicher Zuwachs der Teilzeitstellen die Löhne gedämpft, weil Teilzeitarbeit schlechter bezahlt wurde. Aber das ändert sich jetzt. Die Zahl der offenen Stellen je Bewerber liegt jetzt über eins. Es gibt also mehr neu zu besetzende Positionen als Arbeitssuchende. Auch das dürfte letztlich für höhere Löhne sorgen.

Hat sich die japanische Corporate Governance verbessert, seit 2014 der Stewardship Code in Kraft trat?
Braun: Dies ist eines der Themen, die ich am spannendsten finde. Durch Veränderungen der Asset-Allokation öffentlicher japanischer Pensionsfonds kam es auch hier zu Fortschritten. Der größte japanische Pensionsfonds, der Government Pension Investment Fund (GPIF), hat in vier Jahren den Anteil japanischer Aktien von 13 auf 22 Prozent erhöht; heute gehören ihm 4 Prozent des japanischen Marktes. Für den GPIF zählt das Beta japanischer Aktien. Beim Fonds glaubt man, dass japanische Aktiengesellschaften mehr an ihre Aktionäre ausschütten können und sollen – in ihrem Fall also an japanische Rentner. Sie ermutigen daher alle ihre aktiven Portfoliomanager, bei sämtlichen Hauptversammlungsabstimmungen für höhere Dividenden und Ausschüttungen an die Aktionäre zu stimmen. Außerdem bitten sie ihre Manager um konkrete Berichte zu ihrem Engagement. Als einer der aktiven Manager des GPIF müssen wir dem Pensionsfonds berichten, welche Aktionärskonferenzen wir besucht haben, welche Fragen wir stellten und wie die Antworten ausfielen. All dies geschieht regelmäßig. Und das ist wichtig, weil japanische Pensionsfonds ihr Festhalten an japanischen Aktien rechtfertigen müssen und japanische Unternehmen dies verstehen.

Wie wirkt sich das auf die Dividendenpolitik japanischer Unternehmen aus?
Braun: Ich wäre nicht überrascht, wenn die durchschnittliche Ausschüttungsquote von zurzeit 30 Prozent in den nächsten fünf Jahren auf 45 bis 50 Prozent steigt und damit ähnlich hoch sein wird wie in den USA und Europa. Angesichts der sehr gut geführten Kassen japanischer Unternehmen sind sie dazu zweifellos in der Lage.

Wenn es also dazu kommt, würde die Dividendenrendite japanischer Unternehmen von den derzeitigen 2 auf über 3 Prozent steigen. Das könnte positive Zweitrundeneffekte auslösen. Japanische Rentner mit Bedarf an laufenden Erträgen würden mehr in den Markt investieren, denn der japanische Anleihenmarkt bietet keine ausreichenden Renditen. Noch sind die Dinge im Fluss, doch zweifellos ist die bessere Corporate Governance eine der vielversprechendsten Entwicklungen.

Welche Risiken am japanischen Aktienmarkt sollte man im Blick haben?
Braun: Small Caps haben sich in den letzten Jahren außerordentlich gut entwickelt. Nach unseren Analysen sind sie jetzt sehr hoch bewertet. Natürlich könnten japanische Small Caps weiter zulegen, doch behalten wir ihre hohen Bewertungen ebenso im Blick wie Faktoren, die zu Umschichtungen aus Small Caps führen könnten. Meist beobachten wir zwei Faktoren; der erste ist die Währung; weil viele Small Caps binnenorientierte Unternehmen sind, für die Wechselkursschwankungen keine große Rolle spielen, entwickeln sie sich meist gut, wenn sich der Yen seitwärts bewegt oder aufwertet. Doch wenn der Yen abwertet, ist dies gut für exportorientierte Großunternehmen. Kommt es zu einer starken Yen-Abwertung, folgt meist eine Umschichtung aus Small Caps in exportorientierte Großunternehmen. Der zweite Faktor sind die Zinsen; wenn sie fallen, ist dies für kleinere binnenorientierte Unternehmen meist gut. Steigende Zinsen helfen hingegen Finanzwerten, die meist zu den Large Caps zählen. Diese Faktoren beobachten wir genau, so lange japanische Small Caps hoch bewertet sind.

Informationen zum Capital Group Japan Equity Fund (LUX), einer Core-Strategie für japanische Aktien aller Größenklassen, finden Sie hier: www.capitalgroup.com

Von: Capital Group
Quelle: Das Investment

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